Die Geschichte des Gitarren-Effektpedals, Teil 1

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Die Geschichte des Gitarren-Effektpedals, Teil 1

Posted On4. February 2019 0

Wenn du zu deiner E-Gitarre greifst und noch ein Gitarrenpedal anschließt, dann erscheint dir das selbstverständlich. Doch die Geschichte dieses Instrumentariums ist noch recht frisch. Umso mehr Respekt den Tüftlern, die zunächst mal die alte akustische Klampfe unter Strom setzten.

Dann aber fügten sie noch das eine oder andere Effektgerät hinzu, meist als Gitarrenpedal mit dem Fuß steuerbar. Ohne diese Entwicklung wäre die heute so vielfältige Klangbreite der E-Gitarre nicht denkbar. Dies gilt auch für alle Musikrichtungen, in denen die E-Gitarre ihre musikalischen Spuren hinterließ: Ob Rock´n Roll, Hardrock und Heavy Metall, ob Jazz und Popmusik – erst das Gitarrenpedal mit dem entsprechenden Effektgerät brachte den typischen Sound in der jeweiligen Rubrik.

Aber mehr noch: Wie du sehen und hoffentlich auch hören kannst, war ein bestimmter Gitarrenpedal Effekt oft auch das unverwechselbare Markenzeichen eines berühmten Gitarristen oder einer Band. Vorhang auf für die E-Gitarre und ihre bekanntesten Effekte.

 

Die E-Gitarre- ein kurzer historischer Rückblick

Die Geschichte der Gitarre liegt im Dunkeln. Manche sehen in der Gitarre nur eine Weiterentwicklung der Laute oder Zither. Doch das greift zu kurz. Es wurden von Archäologen Reste von gitarrenähnlichen Instrumenten gefunden, die fast 4000 Jahre als sein dürften. So lange durften die Vorläufer der E-Gitarre schon munter gezupft und angeschlagen werden.

Die Geburt der E-Gitarre ist aber klar datierbar: Als Geburtsjahr notieren wir das Jahr 1920. Der Geburtshelfer war ein amerikanischer Ingenieur namens Lloyd Loard. Er baute die erste E-Gitarre und war Mitarbeiter einer US-Firma, deren Name dir allerdings schon wie Musik in den Ohren klingen wird: “Gibson”.

Das Ganze war natürlich durch die standardmäßige Nutzung von elektrischem Strom möglich und durch die Entwicklung einer weiteren unverzichtbaren Zutat für Musik: Das Mikrofon. Die ersten, die ihren Gitarrensound gerne verstärken wollten, das waren die Jazzgitarristen. Die gingen nämlich im Ensemble lautstärkemäßig eher unter. Doch Herr Loard konnte nun helfen, baute ein kleines Mikrofon in eine akustische Gitarre und schuf die erste E-Gitarre.

 

 

Nicht nur lauter – auch mal anders!

Das war der nächste Wunsch der noch jungen Gilde der der E-Gitarristen. Und es dauerte nach Lloyd Loard noch einmal 40 Jahre, bis es spezielle Gitarrenpedal Effektgeräte gab. Zunächst war der Ansatz der, die E-Gitarre durch Veränderungen im Verstärker aufzupeppen. Diese ersten Effekte wie etwa Reverb, auf Deutsch Hall, waren so für alle Musiker nutzbar, die einen solchen Verstärker nutzten, also auch für Sänger oder Bläser.

Um gerade den Gitarristen, die alle Hände voll zu tun haben, einen speziellen Gitarreneffekt zur Verfügung zu stellen, musste die Technik vor des Gitarristen Füße kommen. Ein Gitarrenpedal machte es erstmals möglich, dass so gesteuerte Effekte speziell von Gitarristen nur für sein Instrument zu- und wieder ausgeschaltet werden konnte.

Da die Steuermöglichkeiten per Gitarrenpedal eingeschränkt bleibt, die Lust der Gitarristen auf unterschiedlichste Sounds aber groß, bot sich dem Publikum bald ein typisches Bild: Vor dem E-Gitarrist waren bald mehrere Effektgeräte versammelt, die per Fuß angesteuert werden konnten.

Die bekanntesten Effektgeräte seien hier vorgestellt:

 

Volume und Delay

Ein frühes Gitarrenpedal war ein Volume-Pedal von deArmond. Es konnte die Lautstärke regeln. Fast zeitgleich kamen die ersten Delays auf den Bühnenboden. Delay heißt deutsch Verzögerung. Es war eine Art Echogerät.

Bereits Mitte der 1950 experimentierte man in Italien mit einem Röhrengerät, das ein Echo erzeugte. Dieses Echorec ist in frühen Aufnahmen von Pink Floyd zu hören. In dieser frühen Zeit der Effektgeräte fällt immer wieder ein sehr klangvoller Name: Les Paul. Dieser innovative Gitarrist baute den Prototyp einer der bekanntesten Gitarren aller Zeiten, die Gibson Les Paul. Im Studio verwendete er schon durch Bandmaschinen erzeugte Flanger- und eben auch Delayeffekte.

 

Der Transistor erobert die Bühne

Erst die routinemäßige Verbauung des Transistors, eines kleinen elektronischen Bauteils, ermöglichte die ganze Welt der Sounds für die Bühne zu erschließen. Jetzt konnten kleine Effektgeräte gebaut werden, die zuverlässig und robust waren. So konnten sie auch ohne Schaden für gewünschte Effekte von Gitarristenfüßen getreten werden.

 

Fuzz, Fuzz Face und Tone Bender

Bald kam das erste Fuzz Gitarrenpedal. Wir schreiben den Beginn der 1960er Jahre, und das Fuzz Tone Pedal von Maestro kam zu Weltruhm: Die Rolling Stones gaben dem Hit “Satisfaction” damit eine unverwechselbare Gitarrennote.

Jetzt war die kreative Entwicklung kaum mehr aufzuhalten: Neue Transistoren mit hellen oder raueren Klängen führten zu Fuzz Face und Tone Bender. Letzteres war ein beliebtes Spielzeug des bekannten Gitarristen Jeff Beck. Ein weiterer Name muss hier fallen: Jimmy Page, Gitarrist der Band Led Zeppelin.

Das erwähnte Fuzz Face und auch das Octave Face waren Entwicklung eines Elektrotüftlers namens Roger Mayer, der das alles genial verkabelte und ein “Octavio” und andere Varianten des Fuzz Face heute noch produziert. Er profierte auch von einem Gitarristen, der seine Sonderfindungen weltberühmt machte: Der legendäre und unvergessene Jimi Hendrix meißelte Mayers Erfindungen durch sein Spiel in Stein (und Gold).

 

Das Delay

Eine frühe Legende aus dieser Rubrik ist der Memory Man von Electro Harmonix. Das erste Gitarrenpedal Model war 1976 bühnenreif mit sogenannter Eimerkettenspeicherung.

Die maximale Delay-Time betrug etwa 300 Millisekunden. Später packte man noch gern ein Vibrato obendrauf. Alte U2 Aufnahmen atmen davon noch etwas aus. The Edge hat zwei solcher Gitarrenpedale parallel eingesetzt und den Sound mit differierender Einstellung in zwei verschiedene Verstärker gejagt.

 

Wah Wah

Hier soll der Name phonetisch den gewünschten Effekt wiedergeben: Wenn Bläser ihrer Trompete akzentuiert mit einem Dämpfer einen quakigen Sound geben, dann klingt das wie Wah Wah.

Ein Mann namens Thomas Morgan übertrug das Konzept 1966 auf die E-Gitarre. Das damalige Musikempire Großbritannien mit der Firma VOX wollte nicht nachstehen und produzierte Ähnliches. Es folgten viele Nachahmer, die mit unterschiedlichen Sound Induktoren wie Halo, Stack of Dimes, Fasel und Film-Can jeweils andere Fangemeinden befriedigten.

Erneut muss man hier als Musikerprotagonisten Jimy Hendrix (achte einmal auf den Mittelteil bei “All Along The Watchtower”) und Jimmy Page, aber auch eine neue Größe nennen: Eric Clapton.

 

Uni Vibe

Mit diesem Produkt von UNIVOX sind wir schon im Jahr 1968 angelangt. Eigentlich hatte man den Sound eines Leslie-Rotary-Lautsprechers vor Ohren, als man den Effekt kreierte.

Aber auf einer Phasertechnologie basierend kam etwa ganz Eigenes dabei heraus. Das Original kann heute so nicht mehr gebaut werden. Aktuelle Varianten klingen daher auch anders. Wer des Original sich noch einmal zu Gemüte führen will, der kann etwa bei Jimi Hendrix mal “Little Wing” aufrufen.

 

Distorsion / der Tube Screamer

Mit diesem kleinen grünen Verzerrer (Distorsion) spielen wir uns bereits in das Ende der 1970er Jahre: Doch was da Verzerrung genannt wird, ist noch milde und fast harmonisch.

Stevie Vaughan, der berühmt wurde dafür, den Blues in den Rock zurückgeholt zu haben, mochte dieses Gerät am liebsten gleich doppelt vor sich auf der Bühne haben. Höre dir dazu mal von ihm “Pride And Joy” an.

 

Der Big Muff

Hier ist die Verzerrung nicht mehr milde und harmonisch – hiermit wird amtlich gesägt. Dies wird und wurde vor allem in Solopassagen praktiziert. Auch wenn die Verstärker noch nicht am Lautstärkeanschlag dröhnen geht es richtig ab.

Hier kann man stellvertretend auf eine kleine subjektive Liste von Namen wie David Gilmour, Carlos Santana, Jack White und The Edge verweisen. Anspielbeispiel wäre eben der genannte David Gilmour von Pink Floyd mit einem Solo im Stück “Comfortably Numb”.

 

Das Whammy Pedal

Digitech eroberte mit diesem roten Gitarrenpedal Effektgerät die 1990er Jahre. Hiermit wurde in Echtzeit ein Harmonizer und Pitch-Shifter angesteuert. Das war ziemlich abgedreht am Anfang, und Tom Morello war den Möglichkeiten damit ziemlich verfallen, es folgten weitere Gitarristen wie Joe Satriani oder Steve Vai.

Von Jack White gibt es ein Stück “Seven Nation Army”, wo er mit dem Whammy einen bassigen Sound wummern lässt. Weiteres Anhörbeispiel wäre das Solo bei “Like A Stone” von Audioslave.

 

Der Chorus

1976 kam das erste Gitarrenpedal zum anfangs erwähnten Choruseffekt heraus: Die Japaner waren es mit dem CE-1 Chorus. Das Riesenteil konnte per Fuß von Vibrato auf Chorus und zurückgeschaltet werden. Das erfreute sich bald großer Beliebtheit, so dass bis heute viele Nachahmerfirmen in die japanischen Fußstapfen traten.

Typische Hörbeispiele findest du bei John Frusciante und Andy Summer, sehr bekannt dafür ist die Band Metallica, die ihre cleanen Gitarrenklänge mit dem Chorus aufpeppten.

 

Der Phaser

Dieses Gitarrenpedal Effektgerät spielt mit Modulationen und Phasenverschiebung. Tatsächlich ist dieser Klassiker auch schon ein Kind der 1970er Jahre.

Das orangefarbene Gitarrenpedal MXR Phase 90 wurde legendär, eben auch durch den bereits erwähnten David Gilmour bei “Shine On You Crazy Diamond”, aber auch durch Eddie Van Halen mit “Ain’t Talkin´ Bout Love”.

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